Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Die gesunde Schilddrüse regt den Stoffwechsel an, ist zuständig für die Jodspeicherung, steuert die Wärmeproduktion und regelt den Sauerstoffverbrauch – die Schilddrüsenhormone sorgen dafür, dass Zucker , Eiweiß oder Fett in Energie umgewandelt werden können. Die Schilddrüse kontrolliert darüber hinaus das Wachstum der Körperzellen und des gesamtem Körpers.

Die Schilddrüse (glandula thyreoidea) liegt in der vorderen Halsregion, sie ist eine schmetterlingsförmige Hormondrüse und besteht aus zwei Lappen, die durch eine Brücke (Isthmus) verbunden sind.

Eine Überfunktion der Schilddrüse – auch Hyperthyreose – löst ein Überangbot von bestimmten Hormonen aus. Dies führt zu einer ganzen Reihe unterschiedlicher Symptome, wie Nervosität, erhöhtem Herzschlag, Gewichtsverlust oder Zittern.

Verantwortlich sind die Schilddrüsenhormone Tetrajodthyronin (=T4, auch Thyroxin) und Trijodthyronin (=T3), die vermehrt ausgeschüttet werden.

Die Produktion der Schilddrüsenhormone findet in einem geschlossenen Regelkreis statt. Gesteuert durch die Hirnanhangdrüse wird das Hormon TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) ausgeschüttet und regt die Schilddrüse zur Produktion der T3 und T4 Hormone an. Stellt die Hirnanhangdrüse eine zu geringe Konzentration im Blut fest, schüttet sie vermehrt TSH aus, was die Schilddrüse anregt T3 und T4 Hormone bereitzustellen. Wird dieser Regelkreis gestört gerät die Schilddrüsenhormonkonzentration außer Kontrolle.

Unterschieden werden drei Arten der Überfunktion: die immunogene Hyperthyreose (Morbus Basedow), Hyperthyreose bei Autonomie der Schilddrüse (thyreoidale Autonomie) und Schilddrüsenentzündungen, der Schilddrüsenhormongabe oder gut- bzw. bösartigen Tumoren in der Schilddrüse.

Morbus Basedow

Der Morbus Basedow – benannt nach dem Merseburger Arzt und Erstbeschreiber – kann in jedem Lebensalter vorkommen. Bei Morbus Basedow versucht die körpereigene Abwehr, die Schilddrüse zu zerstören. Das Immunsystem richtet sich gegen ein eigenes Organ – die Schilddrüse. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, die den ganzen Körper betreffen kann, und verläuft sehr verschieden. Wie stark die klinischen Symptome sind, hängt nicht nur von Hormonspiegel ab, sondern auch vom Alter des Patienten und wie akut die Erkrankung entstanden ist. Neben der Überfunktion sind in der Folge Augen (endokrine Orbitopathie – Hervortreten der Augäpfel aus der Augenhöhle) und Haut (prätibiales Myxödem) betroffen. (Diese Kombination wird auch „Merseburg Trias“ genannt).

Geschlechterverteilung

Frauen (fast 90 Prozent) erkranken am Morbus Basedow wesentlich öfter als Männer. Rund 30 Prozent sind jünger als 35 Jahre. Insgesamt sind ca. sechs Prozent der Bevölkerung betroffen.

Nicht zu verwechseln ist der Morbus Basedow mit einer thyreoidalen Autonomie, einer durch chronischen Jodmangel hervorgerufenen Vergrößerung der Schilddrüse, der sich als Kropf (Struma) bemerkbar macht. Durch den Jodmangel produziert die Schilddrüse verstärkt Hormone, die allerdings nicht weiter verarbeitet werden können, weil der entscheidende Baustoff Jod nicht zur Verfügung steht. So kommt es zu einer Anhäufung, die zu einer vergrößerten Schilddrüse führt. Jodhaltige Nahrungsmittel (z.B. Meerestiere), aber auch jodiertes Salz können dem entgegenwirken.

Bei ca. 20 Prozent der Bevölkerung kann eine vergrößerte Schilddrüse beobachtet werden, allerdings ohne, dass dies einen Krankenheitswert hat.

Die Hashimoto-Krankheit

Ähnlich dem Morbus Basedow ist die Hashimoto Thyreoiditis (benannt nach dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto) eine autoimmune Fehlfunktion der Schilddrüse, bei der die Hormonproduktion nicht in ausreichendem Maße stattfindet. Je nach Verlauf kann die Schilddrüse dabei verkleinert oder auch vergrößert sein.

Die genaue Diagnose und die Abgrenzung der Ursachen kann sich bei einer Schilddrüsenüberfunktion schwierig gestalten, da die Übergänge fließend und die Symptome – auch im Vergleich zu anderen Krankheitsbildern – ähnlich sind.

Christian Wolf

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