Entstehung einer Schilddrüsenüberfunktion

Die Entstehung einer Schilddrüsenüberfunktion hat in der Hauptsache zwei verschiedene Ursachen, die sich entweder medikamentös oder durch Operation bzw. Radiojodtherapie behandeln lassen.

Morbus Basedow – eine Autoimmunreaktion

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann den Ursprung in einer Autoimmunerkrankung haben. In diesem Fall handelt es sich um Morbus Basedow, benannt nach ihrem Erstbeschreiber Carl Adolph von Basedow, der die Symptome 1840 erstmals beschrieb. Etwa zur selben Zeit entdeckte der Ire James Graves – unabhängig von Basedow – ebenfalls den Zusammenhang zwischen bestimmten Symptomen und einer Fehlfunktion der Schilddrüse. Aus diesem Grund wird im englischsprachigen Raum von „Graves Disease“ gesprochen.

Bei Morbus Basedow handelt es sich um eine Erkrankung, bei der das Immunsystem des Organismus sich gegen die Schilddrüse richtet. Antikörper besetzen Drüsenzellen und verhindern die kontrollierte Abgabe der Schilddrüsenhormone. In der Folge werden in erhöhtem Maß Hormone ausgestoßen, die den gesamten Organismus durch die hohe Konzentration in Anspannung versetzen. Im Ergebnis führt diese Überversorgung zu erhöhtem Blutdruck, stark beschleunigtem Puls und zur Überhitzung – die Betroffenen können auch bei Minusgraden noch Schweißausbrüche haben, sind reizbar, aggressiv und höchst nervös. Bei Morbus Basedow verändern sich oft auch die Augen, die aus der Augenhöhle deutlich hervortreten.

Nichts ist so überflüssig wie ein Kropf (Struma) …

Eine andere Ursache mit ähnlichen Symptomen – aber ohne Augenbeteiligung – ist die Zunahme autonomer Zellen, hervorgerufen durch Jodmangel. Es bilden sich vermehrt hyperaktive Zellen, sogenannte „heiße Knoten“, die „autonom“, also eigenständig, die Hormonproduktion ständig anregen. Anfänglich werden weniger schilddrüsenanregende Hormone freigesetzt. Erst wenn die autonomen Zellen soweit zugenommen haben, dass dieser körpereigene Regelungsmechanismus nicht mehr greift, kommt es zur Schilddrüsenüberfunktion. Die Schilddrüse reagiert darauf mit einem Volumenzuwachs (Kropf) und Knotenbildung.

Die heißen Knoten können in drei verschiedenen Arten auftreten, es besteht die Möglichkeit, dass sich ein Knoten – auch unifokale Autonomie genannt – bildet. Bei einer multifokalen Autonomie sind mehrere Bereiche der Schilddrüse betroffen. Diese Form kommt bei ca. fünfzig Prozent der Überfunktionen vor, bei zwanzig Prozent wird ein engmaschiges Netz von veränderten Zellen über die gesamte Schilddrüse ausgebildet.

In Deutschland sind nur rund vierzig Prozent der Fälle auf eine Immunhyperthyreose zurückzuführen, anders in den USA oder Japan: dort sind rund 95 Prozent der Autoimmunerkrankung nach Basedow zuzuordnen. Der Grund ist offensichtlich: Deutschland gilt als Jodmangelgebiet, daher tritt hier häufiger das sogenannte „Jodmangelstruma“ auf.

Eine Hyperthyreose kann aber auch durch eine zu hohe Jodmenge – wie sie in manchen Medikamenten oder Röntgenkontrastmitteln vorkommen – ausgelöst werden. Vorbedingung ist eine bereits bestehende Schilddrüsenerkrankung.

Frauen sind wesentlich häufiger von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen als Männer. Die hormonellen Veränderungen durch Regelblutung, Schwangerschaft oder Wechseljahre beeinflussen auch die Schilddrüsefunktion.

Christian Wolf

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