Therapie
Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion setzt konkrete Kenntnisse der Krankheitsursache voraus.
Grundsätzlich stehen drei Verfahren zur Verfügung: eine medikamentöse Behandlung, die Radiojodtherapie und letztlich die Operation.
Bei einer medikamentösen Behandlung wird die Hormonüberproduktion durch thyreostatische Mittel (Thiamazol, Propylthiouracil oder Carbimazol) gebremst oder zum Stillstand gebracht, indem ein Enzym die Kopplung von Jod an Eiweiße unterdrückt (Schilddrüsenperoxidase). Die Wirkung dieser Mittel setzt nach 8-10 Tagen ein.
Schneller wirken Medikamente auf der Basis von Perchlorat, hierbei wird die Jodaufnahme der Schilddrüse gehemmt und die Hormonproduktion gebremst.
Grundsätzlich gilt, dass eine Jodbelastung die Wirkung der Medikamente schmälert, die Wirksamkeit nicht nur von der Dosierung, sondern auch vom Schweregrad der Überfunktion abhängt.
Die Medikamente werden im Regelfall ein bis anderthalb Jahre verabreicht. Bei Morbus Basedow gibt es die Chance einer Heilung. Sollte nach dem Absetzen der Medikamente die Überfunktion wieder auftreten, so wird die medikamentöse Therapie nochmals aufgenommen, allerdings mit dem Ziel, einer Radiojodtherapie oder Operation.
Bei einer thyreoidalen Autonomie gibt es keinerlei Aussicht auf Heilung durch den Einsatz thyreostatischer Medikamente. Sie dienen dazu, den Hormonhaushalt zu normalisieren und zu stabilisieren und werden mit dem Ziel eingesetzt eine weitere Therapiemaßnahme vorzubereiten.
Bei wiederkehrendem Morbus Basedow und bei der Schilddrüsenautonomie ist die ist eine Verkleinerung bzw. Teilentfernung der Schilddrüse sinnvoll. Neben einem operativen Eingriff steht in Radiojodtherapie zur Verfügung.
Die Radiojodtherapie (RJT) führt in ca. neunzig Prozent zum Erfolg. Radioaktives Jod wird in einer Kapsel verabreicht. Die Dosis wird genau auf den Patienten abgestimmt. Über das Blut erreicht das radioaktive Jod die Schilddrüse und wird nur in den überaktiven Teilen eingelagert, der Rest über Blase und Darm ausgeschieden. Auf diese Weise werden die heißen Knoten zerstört und die Überfunktion ausgeschaltet. Das Jod verliert in wenigen Tagen durch seine Zerfallsprozesse seine radioaktive Wirkung.
Die Radiojodtherapie wird seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts erfolgreich eingesetzt, ist fast nebenwirkungsfrei und ersetzt wirkungsvoll meist eine Operation, die heute hauptsächlich in schweren Fällen zum Einsatz kommt.
Auch die Operation hat die Verkleinerung der Schilddrüse zum Ziel. Bei dieser Operation wird das Schilddrüsengewebe teilweise entfernt, so dass das verbleibende Gewebe weniger Hormone produzieren kann. Die Operation ist risikoarm, selten kommt es zu Komplikationen wie beispielsweise der Schädigung des Stimmbandnervs. Meist kommt eine Operation bei Verdacht auf eine bösartige Schilddrüsenerkrankung oder bei großen knotig veränderten Schilddrüsen in Frage. Vor allem, wenn kalte Knoten festgestellt wurden in diesem Zusammenhang eine Einengung der Luftröhre oder der Speiseröhre besteht. Die Operation selbst behebt nicht die Ursache, zur Vorbeugung wird deshalb Jodid und Thyroxin empfohlen.
Christian Wolf
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