Wissenswertes zur Schilddrüsenüberfunktion
Die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat eine vergrößerte Schilddrüse, wird aber nur bei einem Viertel rechtzeitig erkannt und behandelt. Normalerweise ist die Schilddrüse von außen nicht sichtbar, kann aber bei einer Schilddrüsenüberfunktion zu einer deutlichen Deformation am Hals, zu einem Kropf (Struma) führen. Beschwerden treten erst auf, wenn sie eine Größe erreicht, die Probleme beim Schlucken und Atmen bereiten oder als „Kloß im Hals“ empfunden wird.
Weitere Beschwerden treten nicht auf, solange die Schilddrüse trotz des Kropfes noch ausreichend Hormone herstellen kann.
In einigen Fällen wächst der Kropf in den Brustraum hinein, wo sie Luftröhre und Speiseröhre einengt und zu Atemnot und Schluckbeschwerden führt.
Verursacht durch Jodmangel geraten die Zellen der Schilddrüse in einen Dauerstress, der dazu führt, dass die Zellen ihren Dienst einstellen (als kalte Knoten bezeichnet) oder mehr Hormone ausschütten als notwendig (heiße Knoten).
Schilddrüsenerkrankungen sind bei Frauen wesentlich häufiger, als bei Männern. Vor allem schwangere Frauen haben einen erhöhten Jodbedarf. Bereits ab dem dritten Schwangerschaftsmonat benötigt die Schilddrüse des Ungeborenen Jod, zudem ist Jod für die Entwicklung und Reifung des Kindes notwendig.
Zudem kann auch Stress das Immunsystem so stark schwächen, dass Antikörper gegen den eigenen Organismus gebildet werden. Neben erblichen bedingten Veranlagungen kann dieser Stress zu Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow führen.
Viele ältere Menschen haben eine vergrößerte Schilddrüse, meist auch mit heißen Knoten, die zu einer Überfunktion führen. Die typischen Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion werden allerdings gerne übersehen, da sie als altersbedingte Beschwerden interpretiert werden. Bei unregelmäßigem Herzschlag, Wassereinlagerungen in den unteren Extemitäten und Kurzatmigkeit sollte deshalb auch die Schilddrüsenfunktion genauer untersucht werden.
Eine Schilddrüsenüberfunktion (thyreoidale Autonomie) tritt häufig ab 50 auf, wenn durch jahrelange jodarme Ernährung eine (oftmals unbemerkte) Schilddrüsenvergrößerung stattgefunden hat.
Jodmangel ist in der Hauptsache der Grund für vergrößerte Schilddrüsen. Deutschland ist eines der jodärmsten Ländern in Europa. Die Jodvorräte im Boden und im Gestein wurden während der letzten Eiszeit ausgespült. Deshalb fehlt Jod in Trinkwasser und somit auch in der Nahrung. In Deutschland ist deshalb die Versorgung mit Jod über die Ernährung nicht ausreichend, auch wenn sich die Situation durch die Verwendung von Jodsalz in den letzten Jahren verändert hat.
Ohne Jod kann die Schilddrüse lebensnotwendige Hormone nicht produzieren, daraus resultieren verschiedene Krankheitsbilder wie Kropfbildung oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Dem vorzubeugen ist relativ einfach möglich. Eine ausgewogene Ernährung, die auch jodhaltige Lebensmittel umfasst, wie beispielsweise Seefisch, Meerestiere und -pflanzen, die Verwendung von Jodsalz und in bestimmten Situationen (wie beispielsweise während der Schwangerschaft, in der Stillzeit oder in den Wechseljahren) die Einnahme von Jodid aus der Apotheke beugen vor.
Christian Wolf
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